Prolliger Vollprolltroll

Aus gegebenem Anlass ab hier was zum Wort „prollig“, zunächst aus: http://www.duden.de/rechtschreibung/prollig

Wortart: Adjektiv, Gebrauch: salopp abwertend

Synonyme zu prollig, proletenhaft: asozial, gewöhnlich, ordinär, pöbelfhaft, unfein, ungehobelt, unkultiviert.
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Lieber Leser, liebe Leserin, in deiner informativen Überfrachtung bist Du vielleicht niemals bereit, dich dafür zu interessieren, wie andere Menschen, in diesem Fall ich, sich mit ihrer Selbstinszenierung ästhetisch einrichten, bzw. etwas allgemeiner gesagt, wie ich mich im Hinblick auf die kulturellen Referenzsysteme scheinbar in einer sozialen Ausgeschlossenheit positioniere, aus meiner Sicht aber sehr unterhaltsam und eloquent auf die ungleiche Verteilung von Einfluss, Ressourcen und Anerkennung (insbesondere von Dir) verweise.
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Lieber Leser, liebe Leserin, in deiner informativen Überfrachtung bist Du vielleicht niemals bereit, in meinem Beisein zu tolerieren oder zu akzeptieren, wie ich meine performativen Spielräume nutze und reflektiere in der Vielfalt der kulturellen Varianten, Optionen, Differenzierungen, Unterscheidungen und Abgrenzungen …..
weshalb ich Dir als Lektüre das Buch empfehle von Moritz Ege, Ein Proll mit Klasse«: Mode, Popkultur und soziale Ungleichheiten unter jungen Männern in Berlin, 2013.
Aus dem Klappentext: Die umgangssprachliche Rede vom „Prolligen“ verdeutlicht, wie im alltäglichen Kommentieren von Kleidung, Körperhaltung oder Frisur die wechselseitige Antipathie von sozialen Gruppen mitverhandelt wird. Wie hängen die eigenmächtige Stilisierung als „Proll“ und die feindselige oder spöttische Etikettierung von außen zusammen? Was bedeutet zum Beispiel die Aussage, man sei „auch nur ein Proll, aber ein Proll mit Klasse“? Auf der Grundlage ethnografischer Forschung bietet Moritz Ege Einblicke in solche „Klassifikationskämpfe“ und in die Lebenswirklichkeit von Männern, deren proletenhafte Stilpraxis als Bedrohung und Provokation wahrgenommen wird. Dadurch kommen erstmals Erwachsene selbst zu Wort, die sonst nur Gegenstand von Debatten um gesellschaftliche Entwicklungen sind.
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Jetzt abschließend einige trollige Bekundungen aus dem Internet über „echte“ Prolls:
Prollig ist alles, was entweder mit einem mangelhaften Intelligenzgrad oder einfach nur Protzen mit Geld zu tun hat.

Prolls sind primitive Angeber mit Goldketten und der Pöpel zwischen den dicken Musikanlagen aufgemotzter Türkenschleudern mit asozialen Kanacken.

„Prollig“ gilt angesichts der gesellschaftlichen Uneindeutigkeiten und kulturellen Offenheit als eine sozial ausschließende Zuordnung (Unterschicht, Prekariat), kulturelle Abwertung („unzivilisiert“, ungebildet) und ästhetische Stilbeschreibung im Sinne einer herablassenden Verachtung von oder schäumendem Ekel vor den Unterschichten.

Mantafahrer galten Ende der 70er Jahre als prollig, aber jetzt, da es nur noch einige Tausend Mantas gibt, sind sie absoluter KULT! Natürlich völlig unbemerkt von der breiten Konformistenmasse!

Jeder Mensch soll seine Rolex, Pumps, Goldketten, Hammeranlage, verrückte Klamotten, solariumverbräunte Haut, was auch immer, eben alles herzeigen dürfen, woran er oder sie interessiert sind und Spass haben: solange es keine Belästigung oder Störung für die Öffentlichkeit ist: Weil nicht nur die Geschmacksgrenzen der Vollpfosten fließen und davon fließen und weiter fließen …

Wenn man etwas für sich selbst tut, viel Mühe und Arbeit reinsteckt, auch wenn es nur Worte sind, dann darf man stolz sein auf sein eigenes Werk, ohne Bedacht darauf, wie und was andere Andersgläubige für einen Eindruck davon haben. Das ist sehr positiv, auch wenn es für Dich ein fettes, peinliches Rumgeprotze von wegen dicke Knete, Tollsein etc. oder noch viel schlimmer ist: Kotz! Geh doch heim, blödes Opfer und beruhige dich wieder!

Prollige ohne Differenzierungsfähigkeit und Unterschichtszugehörigkeit sind bullige, schwere, dickärschige Dumpfbacken, die im allgegenwärtigen Sexualisieren ihr ausgeprägtes Macker-Gehabe als behäbige Straßenkämpfer kultivieren …

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